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Enduro Suzuki DR 650 Seite

Veranstaltungen

Endurotraining Dirk von Zitzewitz

Bericht von Dirk Müller

Die DR ist als Enduro zu Welt gekommen, also ist es an der Zeit ihre Geländetauglichkeit zu testen! Ein sicherer und legaler Weg ist die Teilnahme an einem Endurotraining und nach dem Einholen von Informationen über die verschiedenen Anbieter fiel meine Wahl auf eine Lehrgang bei den von Zitzewitzes in Karlshof, tief im Norden unserer Republik. Entscheidend für die Auswahl war:

  • verheißungsvolle Veröffentlichungen in verschiedenen Zeitschriften
  • Empfehlung von Teilnehmern die schon dort waren (hoch lebe das Internet)
  • Passender Termin für die Urlaubsplanung meines Kumpels und mir
  • Gutes Preis - Leistungsverhältnis (4 Tage für 449;-DM)

Die Anmeldung ist problemlos, unter BvZ.de findet man alle nötigen Infos zu den verschiedenen Angeboten und ein Anmeldeformular zum runterladen (Infos auch unter „DvZraceparts.de“). Aber auch in der Presse machen die Zitzewitzes Werbung. Meine Wahl fiel auf einen 4-tägigen Enduro und MX Lehrgang im August und wenige Tage nach der Anmeldung flatterte per Post die Bestätigung mit einigen Infos ins Haus. Die Bezahlung erfolgt vorab per Lastschrift, das Geld wird aber erst zu Beginn des Lehrgangs abgebucht. Für die Übernachtung gibt es zwei Angebote, entweder Camping direkt auf dem Bauernhof oder in einer Ferienwohnung - Doppelzimmer mit Dusche und Küche für 25 DM pro Nacht - in der näheren Umgebung. Als „Softcock“ entschloss ich mich mit meinem KTM - fahrenden Mitstreiter für die feste Behausung. Rückblickend war die Wahl zwar nicht grundlegend falsch, aber das nächste mal würde ich aber direkt auf dem Hof zelten. Durch das Übernachten direkt auf dem Hof mit Zelt oder Wohnmobil spart man sich die abendliche Fahrt zur Ferienwohnung (ca. 7 km). Selbst im Zelt bei schlechtem Wetter dürfte es keine Probleme geben - in einem Gebäude des Hofes ist alles was das Herz begehrt - Dusche, WC und eine ständig offener, ggf. beheizter Aufenthaltsraum.

Die Verpflegung ist während des Lehrgangs gesichert - am Morgen gibt es ein gemeinsames Frühstück im Aufenthaltsraum, Mittags werden die Resten vom Morgen vernichtet, für Getränke ist auch an der Moto - Crosspiste gesorgt (alles im Preis mit drin) Am Abend besteht die Möglichkeit, in einer ca. 5 km entfernten Gaststube gemeinsam für kleines Geld super zu Essen. Für uns als Suzukifahrer besonders interessant - DvZ ist Suzuki - Vertragshändler, und damit ist die Ersatzteilversorgung gesichert. Ach so, falls das bisher noch nicht so rüberkam, Dirk (DvZ) und Bert (BvZ) von Zitzewitz sind Brüder und wettkampferprobte Endurofahrer. Gemeinsam betreiben sie in Karlshof (oberhalb von Kiel) in einem umgebauten Bauernhof ihre Enduroschule, kümmern sich um ihre Rennteams, und auch um ihren Motoradhandel. Der ältere von beiden - BvZ -kümmert sich um KTM (und BMW?), während Dirk die deutsche Endurolandschaft mit seiner gelben Suzuki DR 400 Truppe aufmischt.

Meine DR habe ich auf die kommenden 4 Tage nicht besonders vorbereitet, Technik ist OK, das vordere Ritzel ist einen Zahn kleiner, der Spiegel abgebaut und mit Mefo MFC 12/14 ist auch ein relativ ordentliches Profil auf den Reifen. Bei Bedarf kriegt man vorne im Laden ein Paar Enduro-Reifen, z.B. günstig von Bridgesstone. Wie man es macht ist egal, aber die originalen Strassenenduroreifen der DR sollten besser gegen ein paar Grobstoller ausgetauscht werden.

Auch für die persönliche Sicherheit sollte man sorgen - nach Möglichkeit richtige Crossprotektoren für Oberkörper, Ellenbogen und Knie, ordentliche Stiefel sowie einen Crosshelm mit Brille. Es geht natürlich auch mit normalem Straßenhelm und Protektorenjacke - aber darin wird einem verdammt warm und damit bleibt der Spass ein wenig auf der Strecke.

Jetzt genug der Vorrede - wie läuft der Lehrgang eigentlich ab? Am ersten Tag treffen sich alle 12 Teilnehmer zum Frühstück und schnell kommen wir ins Gespräch. Die Truppe ist bunt gemischt, von 2-Taktfahrenden Hobbycrossern über SC fahrende LC 4 Fahrer, XR - Treiber und einen einem 12 - jährigen 65 ccm Kawafahrer bis hin zum wettkampffahrenden 300ccm Gas Gas Endurist ist alles vertreten. Die „Straßenfraktion“ wird durch einen Ducatifahrer mit geliehener KTM 200 (kriegt man dort), einem Pärchen mit 640 LC 4 und DR 350 und mich mit meiner DR 650 SE gebildet. Aber in den vorhergehenden Teilnehmerlisten stehen noch ganz andere, z.B. African Twin Fahrer, die hier das fliegen gelernt haben. Der Lehrgang ist als Enduro und Moto Cross Lehrgang ausgeschrieben, für Leute ganz ohne erste Meter im Gelände gibt es auch einen Einsteigerkurs. Aber auch hier wird man nicht überfordert.

DvZ ist für die nächsten 4 Tage unser Instruktor, und beim Frühstück stimmt er uns mit einigen Super Cross Videos auf die kommenden Tage ein ;o)

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde (es gibt immer noch Moppedfahrer die sich „Siezen“ wollen ...) geht‘s los mit dem theoretischen Teil. In lockerer Atmosphäre bekommen wir viele Tipps zu Bekleidung, Fahrzeugpflege und Fahrzeugeinstellung. Nach dem Mittag können wir das gehörte umsetzen - z.B. die richtige Einstellung der Hebeleien am Mopped. Vor dem Start zur Crossstrecke schaut sich Dirk alle Enduros noch mal an und gibt Tipps, was man noch anders verstellen sollte (z.B. Höhe Fußbremshebel).

Endlich können wir die Motoren starten und fahren auf einer Ministraße zur 1 km entfernten Moto Cross Piste des MSC Hahnsühn. Die Strecke liegt in einer alten Abbaugrube, der Boden ist griffig mit wenig Steinen und es gibt einige Auf- und Abfahrten und auch Sprunghügel.

Zuerst fahren wir hinter Dirk einige langsame Runden um die gesamte Strecke und dann beginnt das „richtige“ Training - Kurven fahren! Auf einem kleinen Abschnitt der Strecke zirkeln wir um ein paar Pylonen und Pfeiler, aber auch ganz „romantisch“ durch ein kleines Schilfgebiet. Fahren im Sitzen, Fahren im Stehen und bald merken wir die Unterscheide zwischen den einzelnen Fahrtechniken. Dazwischen gibt es immer wieder kurze Pausen mit persönlichen Hinweisen, was wir besser machen können.

Bald haben sich auf der Strecke erste Spurrillen und Anlieger herausgebildet und in einer besonders engen Kehre steht Dirk und sagt uns wie es geht - im Stehen ranfahren, Bremsen, Bremsen lösen, bei Beginn der Richtungsänderung und Halt des Vorderrades in der Spurrille oder im Anlieger (falls vorhanden) hinsetzen, kurveninnerer Fuß raus und ab die Post! Klingt eigentlich ganz simpel und logisch, aber man kann vieles verkehrt machen.

Immer wieder weist uns Dirk auf unsere eingeschliffenen Fahrfehler hin, mal bremst man in der Kurve, sitzt zu früh oder der Fuß hängt zu tief. Trotzdem macht es viele Spaß und die ersten Erfolge sind spürbar. Plötzlich fährt man viel sicherer durch die Kurve und muss sich nicht mehr so viele Gedanken um ein wegrutschendes Vorderrad machen. Abschluss bilden ein paar freien Runden um den gesamten Kurs und es geht zurück ins „Fahrerlager“. Nach ein paar obligatorischen Wartungsarbeiten am Bike (Kette, ggf. Luftfilter usw.) ist Feierabend und auch am Körper merkt man das es trotz des gesitteten Tempos MotorSPORT war.

Apropos Luftfilter, so man die Möglichkeit hat sollte man einen fertig vorbereiteten Ersatzluftfilter mit nehmen, 4 Tage im Staub setzen dem Atmungsorgan ganz schön zu. Ich hatte leider einen K+N drin, und der ist nicht sehr wartungsfreundlich. Ohne Ersatzluftfilter geht da nichts. Aber die DR hat die 4 Tage auch mit nur einem LuFi verkraftet ...

Vor dem Frühstück ist am nächsten Morgen zum Warmwerden Frühsport angesagt (wie auch am 3. Tag). Der einen Teil fährt eine Runde mit dem eigenen Mountainbike, der Rest geht joggen. In der Anmeldung ist empfohlen ein MB mitzubringen, aber gerade bei Anreise auf eigener Achse kann man sich es schlecht auf den Rücken schnallen - was heißen soll es geht auch ohne Fahrrad. Ich hatte das Glück, das mein hardendurofahrender Kumpel seine KTM per Anhänger zum Lehrgang brachte - und damit war da noch Platz für mein MB :o)

Nach dem Frühstück gibt’s noch ein wenig Theorie und anschließend auf die Piste. Nach ein paar freien Einführungsrunden üben wir noch ein wenig auf dem Streckenabschnitt des gestrigen Tages und dann suchen wir uns ein paar neue Kurven. Die Fahrtechnik geht langsam in Fleisch und Blut über und es macht immer mehr Spaß um die Kurven zu wieseln.

Am Nachmittag geht es in die Berge. An einem Steilhang üben wir das Bergabfahren, mal nur mit vorderer, dann mit hinterer und anschließend mit beiden Bremsen. Es ist erstaunlich wie unterschiedlich sich das Mopped verhält und im kleinen Wettstreit probieren wir so langsam wie möglich hinunter zu fahren (nicht täuschen lassen, die Fotos geben wie üblich das Gefälle viel zu flach wieder)

Danach folgen so lustige Sachen wie einhändiges Bergabfahren oder Abfahrt im Damensitzen - das ist alles nur eine Frage der Überwindung. Wer runter will muss auch wieder rauf und so stehen als nächstes Steilauffahrten auf dem Programm.

In einer Pause kriege ich ein besonderes Angebot - ich kann ein paar Runden auf Dirks Wettbewerbs DR 400 fahren :o)))))))))))))

Am nächste Tag geht’s weiter mit Kurvenfahrten und wir vergnügen uns am Steilhang. Beispielsweise üben wir das Wenden am Hang und es ist wieder mal erstaunlich wie gutmütig das alles mit der DR zu machen ist. Die Zeit vergeht wie im Fluge, und genau das ist auch das Ziel am Nachmittag des dritten Tages. An einem langgestreckten Hügel heben das erste mal gezielt die Räder ab und wieder zeigt sich, dass das Geheimnis in der richtigen Fahrtechnik liegt.

Vor dem Absprung gezielt Gas geben und dann bei der Landung wieder am Hahn drehen. Es kostet etwas Überwindung in ungewohnten Situationen statt zu Bremsen Gas zu geben, aber gerade bei er Landung ist die stabilisierende Wirkung überzeugend.

Am letzten Vormittag geht es wieder in die Luft und an einem Table und der Kuppe einer Steilauffahrt versuchen wir uns als „Superjumper“. Allen macht die neue Art der Fortbewegung mächtig viel Spaß :o)))))

Dazwischen gibt’s es immer wieder ein paar Runden auf der gesamten Strecke und viel zu schnell ist das Ende des Trainings erreicht. Zum Abschluss setzen wir uns nach dem Mittag noch einmal zusammen und werten das Training aus - inklusive des „Wettkampf um den goldenen Kugelschreiber“ ... :o))

Alle sind zufrieden und haben in den 4 Tagen viel gelernt, und bis auf ein paar leichte Umfaller sind keine Schäden an Mensch und Maschine zu verzeichnen.

Mein persönliches Fazit: In nur vier Tagen habe ich mehr über das Endurofahren gelernt, als man allein in einer Saison mit ein paar tausend Kilometern erfahren kann. Auch mit der „dicken“ DR ist man bei dem Lehrgang gut aufgehoben und verschiebt seine eigenen Grenze nach oben - ohne dabei überfordert zu werden. Obwohl die Fahrtechnik noch nicht ganz in Fleisch und Blut übergegangen ist, habe ich viele gute Tipps erhalten und es liegt an mir selbst die Feinheiten zu üben. Das häufige Üben einer bestimmten Stelle hilft Fahrfehler auszumerzen. Wieder hat sich gezeigt, dass weniger das Fahrzeug ausschlaggebend ist, als dass das Geheimnis des richtigen Fahrens in der Fahrtechnik zu suchen ist. So schnell wie ein Wettbewerbsfahrer bin ich damit lange nicht, aber ich kann jetzt sicherer und kraftschonender das Endurowandern oder den Abstecher in die Kiesgrube genießen. Jetzt liegt es an mir immer am Ball zu bleiben und so oft wie möglich die DR durchs Gelände zu treiben.

(Dank an Daniel)

Ich hoffe die kurze Beschreibung des Lehrgangs motiviert weitere DR Fahrer sich im Gelände zu versuchen, vielleicht sehen wir uns ja mal ...



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