Nockenwelle - Tuning oder Standard?

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Nockenwelle - Tuning oder Standard?

#1 

Beitrag von Balkon »

 Themenstarter

Hallo zusammen,

ich habe vor kurzem das Motorgehäuse meiner dicken (Sp46) gewechselt. War sehr interessant den Motor von innen zu sehen, war meine 1. Operation an offenem Herzen und hat zum Glück alles geklappt. Gleich am Anfang der Op sind mir schon die Nocken der Nockenwelle aufgefallen durch ihre ungleichmäßige Form. Ich war immer im Glauben, dass die Nocken gleichmäßig sein sollten? Hab hier mal 2 Bilder für euch drangehangen.

Kann mir vielleicht einer der Experten hier sagen ob das evtl. eine Tuning-Nockenwelle oder Standard ist?
Ich weiß nicht ob man sowas mit bloßem Auge erkennen kann oder ob man sie doch Vermessen muss.

Bin für jegliche Aufklärung Dankbar :)

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AXL
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Re: Nockenwelle - Tuning oder Standard?

#2 

Beitrag von AXL »

Hallo,

Ich kenn die 46er Nockenwelle jetzt nicht wirklich.

Die Nockenform der Tuning ist optisch zur originalen schwer zu Unterscheiden.
Das sind minimale abweichungen.

Die Tuning Nocken werden umgeschliffen und der Grundkreis kleiner.
Deinem Bild nach würde ich sagen das der Grundkreis einem originalen entspricht.

Zudem werden nachträglich umgearbeitete Nocken mit einer Nummer versehen...

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Grussi AXL
Gelöschter User

Re: Nockenwelle - Tuning oder Standard?

#3 

Beitrag von Gelöschter User »

Wird bei der DR der Ventilhub durch Verkleinerung des Grundkreises vergrößert (Differenz wird ja dann größer)?
hab mich damit bisher nicht auseinander gesetzt...
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AXL
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Re: Nockenwelle - Tuning oder Standard?

#4 

Beitrag von AXL »

Hi,

Ja wird bei den meisten umgearbeiteten oder aufgefrischten original Nocken.
Es wird eine andere form (bauchiger) und mehr hub (nockenhöhe) auf den vorhandenen Nocken geschliffen.
Der grundkreis nimmt dadurch ab.

Aufschweissen für zb. Grundlegend andere Steuerzeiten wird wohl selten gemacht.
Da werden dann eher Rohlinge genommen.
Grussi AXL
hiha
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Re: Nockenwelle - Tuning oder Standard?

#5 

Beitrag von hiha »

Die Unsymmetrie der Nocken ist im Falle der Gleitflächenkipphebel logisch, damit eine symmetrische Ventilerhebungskurve dabei rauskommen kann. Bei Tassenstößel-Systemen sehen die Nocken bei völlig gleichen Ventilerhebungskurven total anders, und symmetrisch aus, weil da ja kein Hebel dazwischen ist.

Gefertigt werden die Nockenwellen ja eigentlich andersherum:
Kipphebelform und Position im Kopf stehen fest, auch die vom Konstrukteur ausgedachte Ventilerhebungskurve liegt fest. Die Nocke ist das errechnete Resultat aus diesen Faktoren. Man achtet darauf, dass der "spitzige" Radius nicht zu klein wird, da der sonst ausbricht...

Gruß
Hans
Gelöschter User

Re: Nockenwelle - Tuning oder Standard?

#6 

Beitrag von Gelöschter User »

Kipphebel und Nockenwelle werden auf die angestrebte Ventilbewegung ausgelegt.
Da geht es insbesondere um dynamisches Verhalten (Trägheit, Schwingungen) und günstige Herstellbarkeit sowie gute Montage.
ric
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Re: Nockenwelle - Tuning oder Standard?

#7 

Beitrag von ric »

Bedeutet es, dass die Tuningnockenwellen nicht mehr optimal zusammenspielen in Bezug auf Trägheit und Schwingungen?
Ist die Oberfläche der Nockenwelle bei Original- und Tuning- gehärtet?
hiha
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Re: Nockenwelle - Tuning oder Standard?

#8 

Beitrag von hiha »

Zusammenspielen tun sie schon, wenn alles richtig gerechnet wurde. Die Schwingungen spielen bei unseren Drehzahlen -selbst bei altmodischen Rechenmodellen für ruckfreie Nocken- kaum eine Rolle, aber ein evtl. größerer Ventilhub sollte zu den Federn passen. Die Originalnockenwelle ist aus Grauguss, der wahrscheinlich induktiv gehärtet ist. Nach dem Umschleifen auf ein anderes Profil wird meistens gasnitriert, manchmal auch noch phosphatiert.

Gruß
Hans
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Re: Nockenwelle - Tuning oder Standard?

#9 

Beitrag von ric »

Ist die Nockenwelle nach der Gasnitrierung ähnlich "oberflächenstabil"/verschleißarm wie die induktiv gehärtete? Wie sieht es nach der zusätzlichen Phosphatierung mit dem Verschleißverhalten aus?
ey_Digga
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Re: Nockenwelle - Tuning oder Standard?

#10 

Beitrag von ey_Digga »

Wir haben ein paar Ortschaften weiter einen Instantsetzer http://www.kexel.de/der auch Oberflächen beschichtungen anbietet. Werd mir bei dem ein Angebot reinholen, gerade im Bereich Zylinderkopf bietet sich das an.
Wäre auch interessant fürs Getriebe was das Pitting angeht.
hiha
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Re: Nockenwelle - Tuning oder Standard?

#11 

Beitrag von hiha »

ric hat geschrieben:Ist die Nockenwelle nach der Gasnitrierung ähnlich "oberflächenstabil"/verschleißarm wie die induktiv gehärtete? Wie sieht es nach der zusätzlichen Phosphatierung mit dem Verschleißverhalten aus?
Ja, ist sie auf alle Fälle, vor dem Einbau sollte sie poliert werden, und nicht so aussehen, wie die Graue oben im Bild, die ist vom Nitrieren noch leicht rauh.
Das Phosphatieren gibts sehr gute Laufeigenschaften, und es gibt ein paar Tuningfirmen, die das an ihren umgeschliffenen Nockenwellen machen lassen. Mehr weiß ich nicht drüber, wollte es aber immer mal ausprobieren.
Dem Kexel seine Beschichtungen sehe ich nicht so universell wie er. Fürs Getriebe ists jedenfalls hilfreich, dafür gibts auch wissenschaftliche Belege. Gleiches gilt für Kolben.

Gruß
Hans
ey_Digga
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Re: Nockenwelle - Tuning oder Standard?

#12 

Beitrag von ey_Digga »

Gäbe es eine Alternative um den Kopf haltbarer zu bekommen, grad was die Lagerung der Nockenwelle angeht?

Hmm wenn die Beschichtung den Druck im Getriebe Standhält müsste es erst recht an der Nockenwelle Standhalten oder?
franz muc
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Re: Nockenwelle - Tuning oder Standard?

#13 

Beitrag von franz muc »

die Nockemwelle läuft im Zylinderkopf
ohne Lagerschalen. Wenn der kaputt
geht sagt das Buch:

Kaufen Sie sich einen neuen Zylinderkopf.

Beim Preis steht: "Auf Anfrage"

Neu ausspindeln ist schwierig, will keiner,
kann keiner, teuer.

Und irgendwann so ab 80 tkm hat es der
Zylinderkopf dann überstanden und reißt
zur Zündkerze hin ein. (war bei mir jedenfalls
so)

Und da fast alle DRs den Zylinderkopftot
irgendwann sterben, gibst gebrauchte selten
oder in schlechtem Zustand

Nockenwellen und Kipphebel gibt's noch
zu kaufen, das ist kein Problem.
DR 600 Dakar, nach 80 tkm verkauft
DR 650 SP 44 nach 10 tkm verkauft
DR 600 S nach 40 tkm verkauft
Husqvarna 701 LR bisher 12 tkm gefahren
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Re: Nockenwelle - Tuning oder Standard?

#14 

Beitrag von ey_Digga »

Richtig und da gilt es anzusetzen um den Kopf haltbarer zu bekommen, was mit einer vernünftigen Beschichtung o.ä.möglich wäre.
Wenn die Reibung seitens der Nockenwelle reduziert wird wirkt sich das auch positiv auf die Haltbarkeit der Lagerschalen aus.
Wenn zusätzlich der Kopf beschichtet wird läuft Beschichtung auf Beschichtung und nicht Stahl auf Alu was die mieseste Materialpaarung schlechthin ist.
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AXL
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Re: Nockenwelle - Tuning oder Standard?

#15 

Beitrag von AXL »

Nitriert ist wirklich sehr rau.

Wird sicher mal glatt mit schwund an den kipphebeln :-D

Poliert siehts dann so aus...


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